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franthebooknerd

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Die erste Seite des Buches hat mich schon gefesselt und von da an war ich im Bann der Geschichte. Wobei - eigentlich handelt es sich bei dem Buch um mehrere Geschichten, welche durch die gemeinsame Erzählerin einen roten Faden erhalten.




"Die Fenster, hinter denen noch Licht brennt, werden immer weniger, je später es wird. Ich zähle sie. Sie ziehen mich an. Die dunklen nicht, die machen mir Angst. Schlafende gruseln mich in ihrer Selbstvergessenheit. Ich halte mich deshalb an die Wachenden. Gibt es nur noch ein einziges erleuchtetes Fenster in einer ganzen Straße, bleibe ich stehen, blicke hoch und bete, dass es jetzt nicht erlischt. Einer muss übrig bleiben, einer muss immer übrig bleiben."


Seite 7

Die einzige Person, die mehrmals auftaucht, ist die namenlose Erzählerin, welche nachts bei den Menschen klingelt, die noch wach sind. Sie erzählt ihnen, dass sie Forscherin ist und herausfinden möchte, warum Menschen nachts wach sind und was sie dann machen. Doch der eigentliche Grund dieser nächtlichen Besuche wird erst nach und nach deutlich. Von den Personen, die sie besucht, bekommt man immer einen kleinen Einblick in das Leben. Jede Figur ist anders und doch haben alle eines gemeinsam: Sie sind sehr realitätsgetreu dargestellt.




"'Toll war das, ein frühes Aufstehen von einer ganz anderen Qualität als das frühe Aufstehen eines Bäckers. Man wird so herrlich in Ruhe gelassen. Nichts lärmt, kein grelles Licht, keine Menschen. Jeden Morgen spektakuläre Sonnenaufgänge, wilde Wolkenkombinationen in rot, gold, lila. Kann man einfach vor sich herfahren mit dem Rad, quer durch die Sommernacht, und aus den Fahrradtaschen riecht es nach feuchter Druckerschwärze und man hat sie alle im Gepäck, die noch ungelesenen Nachrichten des Tages. Hab mich nochmal richtig jung gefühlt. Im Morgengrauen durch die Straßen radeln, ich glaube, das ist wahre Freiheit.'"


Seite 23f

Eine zusammenhängende Handlung gibt es in "Nachts" nicht. Die einzelnen Kurzgeschichten sind ohne Zusammenhang aufgeschrieben. Jede ist datiert und fängt dann sofort an. Ich mochte das gerne, denn so stand jede Geschichte - und damit auch der Mensch hinter ihr - für sich alleine und bekam auch die Aufmerksamkeit, die sie verdient hat. Ich mochte alle Erzählungen gerne; jede hatte etwas Spezielles an sich.




"Sie würde gerne öfter mit ihrem Sohn zusammen sein. Seine Freunde kennenlernen. Bilder sammeln zu seinen Erzählungen. Aber das geht nicht. Sie darf ihn nicht mit ihrer Einsamkeit nerven."


Seite 37

Mercedes Lauenstein hat einen wunderbaren Schreibstil, der zu sowohl den außergewöhnlichen als auch den alltäglichen Handlungen passte. Ich flog durch das Buch und hatte doch das Gefühl, die Zeit bleibt stehen.




"Wo ist mein Zentrum der Welt? Meine Finger wollen zum Südostufer von Madagaskar oder an den 'Gulf of Aden'. Und was ist eigentlich da los, auf diesen Inseln bei Südamerika, ganz unten, wo die Welt ausläuft ins Nichts, South Georgia and The Sandwich Islands? Oder da, wo die Landstriche heißen wie Prinzen und Prinzessinnen? Königin-Maud-Land, Victorialand."


Seite 50f

Eine wirklich wunderbare Geschichte, die ich sehr gerne gelesen habe. Ich kann sie dir nicht nur empfehlen, wenn du gerne und/oder öfter nachts wach bist, sondern spreche eine allgemeine Empfehlung für "Nachts" aus.


Was für eine Wendung am Ende!!

Das Buch beginnt mit einer Vorschau auf eine Szene, die etwas später im Verlauf der Geschichte passieren wird. Diese wird zum Anlass genommen, zu erklären, warum Audrey immer eine Sonnenbrille trägt und aktuell nicht in der Schule ist. Audrey hat eine generalisierte Angststörung und eine Depression, als Reaktion auf ein Erlebnis an ihrer alten Schule. Sie hat seitdem Angst davor, anderen Menschen in die Augen zu schauen und verlässt das Haus kaum. Doch Audreys Erkrankungen sind nicht das einzige Thema des Buches, denn im Großen und Ganzen geht es um die gesamte Familie Turner: Mutter Anne, Vater Chris, Audreys großer Bruder Frank und das Nesthäkchen Felix. Anne ist darauf bedacht, dass es ihren Kindern gesundheitlich gut geht und hat alle Hände voll zu tun mit Audrey und Frank, welcher laut seiner Mutter an einer Computerspielsucht leidet. Diese nimmt viel Raum ein in der Geschichte und manches Mal hatte ich das Gefühl, dass Frank und seine Probleme im Vordergrund stehen. Durch Frank und seine Leidenschaft für das Computerspiel Land of Conquerors trifft Audrey auch auf Linus, welcher im Laufe der Geschichte wichtig für sie wird.

Audrey und Linus knüpfen sehr schnell ein freundschaftliches Band, welches immer stärker wird, sodass sie nachher eine Beziehung führen. Diese Beziehung zwischen den beiden entwickelte sich – typisch für ein Jugendbuch – sehr schnell, was mir nicht ganz so gefiel. Vor allem, wenn man bedenkt, dass Audrey eine Sozialphobie hat. Ich hätte mir gewünscht, dass Sophie Kinsella das Ganze nicht so schnell aufgebaut hätte. Ebenso fand ich das kurze Intermezzo mit Audreys früherer besten Freundin Natalie etwas unglaubwürdig und die Geschichte wäre ohne diese Szene auch gut ausgekommen. Schade fand ich auch, dass man im Verlauf des Buches nicht erfährt, welcher Vorfall dazu geführt hat, dass drei Mädchen von der Schule verwiesen wurden und Audrey erst einmal psychiatrisch behandelt werden musste.

Trotz dieser kleineren Minuspunkte gefiel mir das Hörbuch. Vor allem fand ich es gut, dass auch Jugendbücher nun so wichtige Themen wie psychische Erkrankungen aufgreifen, um das Tabu zu durchbrechen. Mama und ich sind uns einig und geben „Schau mir in die Augen, Audrey“ vier Sterne!

War ganz nett.