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Die Wut, die bleibt by Mareike Fallwickl
3.0

Ein wütendes und unnachgibiges Buch über das Leben von drei Frauen und die verschiedenen Wege in denen eine sexistische Gesellschaft sie prägt und verletzt, aber gegen die sie sich auch wehren können. Es war sehr spannend zu lesen und Mareike Fallwickl's Schreibstil fand ich sehr interessant.
Ich genoss die Kraftfantasie in diesem Buch und verstehe den Wunsch einmal zurückzuschlagen, fand aber dass Lola (die Tochter) oftmals wie das Stereotyp eines SJW klang und ihr das einiges an Überzeugungskraft wegnahm. Weiters ist es natürlich ein wichtiger Punkt in ihrer Geschichte, dass sie zu weit geht und gewisse Grenzen überschreitet, aber ich fand es doch schlimm, dass der Moment in dem sie selbst sexualisierte Gewalt einsetzt absolut nicht reflektiert wird und nur ein weiterer Punkt in ihrem Selbstfindungsprozess zu sein scheint. Zumindest irgendwann gegen Ende hätte ich mich gefreut, wenn das zu Ende wenigstens ein bisschen reflektiert worden wäre. Ich kann den Wunsch gut verstehen es jemanden zurückzuzahlen, aber es sollte für einen Charakter einen Unterschied geben dazwischen jemanden sexuelle Gewalt anzutun oder "nur" in "verspäteter Notwehr" in die Fresse zu haun. Natürlich wäre beides im echten Leben nicht okay, aber ich denke das Ignorieren dieses Punktes macht die Figur von Lola um einiges unsympatischer. (Natürlich kann auch sie selbst das Problem sein und das nicht selbst reflektieren wollen, aber irgendein Aspekt des Buches hätte das schon aufzeigen sollen.)
Auch fand ich es sehr interessant, dass das Buch während dem Beginn der Corona Pandemie gesetzt war und die verschiedenen Probleme, die dabei besonders in den Feldern der Care-Arbeit entstanden untersuchte. Gleichzeitig fehlte mir aber auch ein bisschen der Blick darauf, wie diese Dinge jemanden in einer präkereren Lage betroffen hätten oder auch dass der Fakt das mehrerer Charaktere in dem Buch vergleichsweise mit der Normalbevölkerung sehr wohlhabend waren und ihre Probleme teilweise leicht zu lösen gewesen wären nie wirklich begutachtet wird (Warum erhalten die Kinder keine Therapie? Warum wird keine Haushaltshilfskraft eingestellt? Warum wird die kranke Oma eingeteilt, bevor man eine Nanny einstellt? - sind zum Beispiel Fragen, die einen Sinn ergeben würden, wenn die Familie nicht viel Geld hätte, aber es wird immer wieder betont, dass der Vater gut betucht ist und scheinen daher eher wie Lücken in der Geschichte, die nur dazu da sind um den Vater als unfähig darzustellen).
Weiters ist dieser Roman, wie leider sehr viele feministischen Romane oftmals sehr cis-sexistisch unterwegs und spiegelt einen Mittelschicht-Feminismus wieder, bei dem ich mir gewünscht hätte, dass auch das ein bisschen kritisch untersucht worden wäre. Wenn die Charaktere ein bisschen tiefgründiger gewesen und diese Aspekte des Romans nicht ganz so klischeehaft und unreflektiert dargestellt gewesen, hätte mir das Buch wesentlich besser gefallen.
Aus diesen Gründen kann ich dem Buch leider nicht mehr als drei Sterne geben, bin aber trotzdem sehr gespannt darauf mehr von Mareike Fallwickl zu lesen und zu sehen wie ihre anderen Bücher so sind!