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horrorbutch 's review for:
Die unendlichen Möglichkeiten der Liebe
by Myriam Lacroix
Disclaimer: Ich habe eine ARC von diesem Buch über netgalley erhalten.
Dieses Buch ist eine Kurzgeschichten Sammlung, in welcher auf acht verschiedene Weisen die Leben und die Liebe von zwei Frauen erforscht wird. Wir folgen Myriam und Allison durch verschiedene Beziehungsstrukturen, Lebensentwürfe und Genres. Auch wenn die Frauen in jeder Geschichte anders sind (von liebenden, wenn auch kriminellen, Müttern zu depressiven Kannibalen, aber auch als Hund und Gottesanbeterin sind verschiedene Ausführungen vertreten) so ist der Mittelpunkt der Geschichten doch immer ihre Beziehung zueinander, die guten und die schlechten Seiten. Manchmal sind sie glücklich, manchmal nicht, manchmal ist das Ton der Geschichte eher horror, manchmal surreal, manchmal gesellschaftskritisch, manchmal einfach nur traurig. Ich kann dieses Buch auf jeden Fall empfehlen an Menschen, die Horrorkurzgeschichten mögen, die gerne mehr über Lesben mit ProblemenTM lesen möchten (anstatt von cookie-cutter süßen Romanzen) und an Menschen, die sich für sehr intensive Charakter-Studien interessieren. Denn das ist der eigentliche Punkt dieser Kurzgeschichtensammlung. Die Frage: „Was wäre wenn…“ Wie würde das Leben von Allison und Myriam eben ausschauen, wenn sie ein Kind finden würden und es mitnehmen? Wie wenn sie eben ein Hund und eine Gottesanbeterin wären? Was würde sich ändern, was würde gleich bleiben und würde es ihre Beziehung eigentlich wirklich überstehen?
Das Schreibstil ist flüssig und gut zu lesen und die Charaktere, wie gesagt, das Fleisch und Blut der Anthologie und dadurch sehr gut ausgearbeitet. Auch wenn mir nicht alle Kurzgeschichten gefallen haben, sind doch einige dabei, die ich sehr mochte, allen voran „Der Sinn des Lebens“ „Zuckerhase“ und „Das Feature“. In dem zweiten Teil meines Reviews bespreche ich nun die verschiedenen Kurzgeschichten und wie sie mir gefallen haben & gebe kurze Content Warnungen falls notwendig. Dies ist nicht komplett spoiler-frei.
Die erste Geschichte "Der Sinn des Lebens" beginnt mit dem Finden eines Kindes das in der Gosse liegt und der Entscheidung es aufzuziehen und nimmt schnell eine dünklere Wendung als die Mutter des Kindes auftaucht und ihr Kind zurückverlangt. Nun ist die Frage bei drei Müttern: Wer kann hier die bessere sein? Ich habe die verschiedenen Wendungen der Geschichte nicht erwartet, fand mich aber sehr in die Geschichte hineingezogen und mochte sie sehr. (tw: Kindsentführung, häusliche Gewalt, Drogenmissbrauch.)
"Zuckerhase": So lieblich wie der Titel der Geschichte ist, so dunkel ist der eigentliche Inhalt. Wie weit würdest du gehen, wenn deine schwere Depression nur durch den Körper deines Partners geheilt werden kann? Dies ist eine meiner Lieblingsgeschichten in dem Buch, da mich sowohl die Idee als auch die Umsetzung faszinierte. Da ich Horror und queere Geschichten mit moralisch verwerflichen Charakter*Innen oftmals sehr genieße war dies genau die richtige Geschichte für mich. Immer wieder geschah etwas einerseits Unterwartes, aber andererseits machte es auch sehr viel Sinn und ich genoss es wirklich mich in diese Geschichte hineinfallen zu lassen. Auch das ständig mit der Geschichte einhergehende Grauen war sehr gut gemacht und ließ mich bis zur letzten Sekunde nicht aus. (tw: Kannibalismus, Kindsmissbrauch (nicht sexuell), schwere Körperverletzung, Mord, Depression)
"Gottesanbeterin" ist eine sehr kurze Geschichte und versetzt unsere Protagonistinnen in die Rolle von Haustieren. Ebenfalls sehr interessant, wenn auch sehr kurz. Trotzdem fand ich diese Geschichte einen sehr interessanten Aspekt der Charakterisierung von Allison und Myriam. (tw: Tod).
"So klappt es": In dieser Version laufen Allison und Myriam sprichwörtlich vor ihren Gefühlen davon, indem sie anstatt über ihre Beziehung zu sprechen lieber zu einem schweigenden Jogger Pärchen werden. Sehr melancholisch, aber interessant zu lesen.
"The Sequel": Hier haben unsere zwei Protagonistinnen ein Buch über erfolgreiche lesbische Liebensbeziehungen geschrieben und haben es damit zu ein bisschen Ruhm in der queeren Szene geschafft. Nun möchten sie auch bei der weniger radikalen konservativen lesbischen Szene Anschluss finden, indem sie heiraten und dies konstant publizieren. Die Beziehung selbst ist sehr brüchig, vor allem durch die mentale Erkrankung von Myriam (Paranoia/Schizophrenie), die Biphobie von Allison und die Ansprüche, die ihr Influencer Leben an die beiden Frauen richtet. Die Kurzgeschichte selbst war nicht so mein Ding und funktioniert auch nur als eine bissige Satire auf die lesbische Promiszene und war damit für mich, als eine Lesbe, die sich nicht für Promis interessiert, eher uninteressant. Auch wenn sicher einige Menschen, das ganze Name-Dropping der Amerikanischen lesbischen Promiszene interessant finden, war es für mich leider so gar nicht mein Ding. Auch bin ich mir nicht ganz sicher warum der konstante Refrain an Biphobie notwendig war. Da dies auch eine der längeren Geschichten war, finde ich es natürlich ziemlich schade, dass mich die Geschichte nicht interessiert hab, aber ich kann mir denken, dass sie für Menschen, die sich für lesbisches Beziehungsdrama der prominenten Art interessieren, diese Kurzgeschichte interessanter sein können. (Wenn dir Dykette von Jenny Fran Davis gefallen hat, zum Beispiel). (tw: Untreue, Ableismus, Krankheits-basiertes OCD, biphobe Stereotype und Aussagen, Fäkalien-Beschreibungen, Tod)
"Love in the Dark": In dieser Geschichte hat Allison ein Problem mit Wurausbrüchen und Myriam erneut ein Problem mit ihrer mentalen Gesundheit. Also geht Allison auf ein Retreat und lässt Myriam zurück, die damit sehr schlecht umgehen kann. Myriam wirft sich in die Kunstszene und lernt dort neue Menschen kennen. Interessante Beschreibungen von Kunst und dem zerstörerischen Einfluss von Eifersucht und emotional gewalttätigen Beziehungen. (tw: Drogen, Selbstverletzendes Verhalten, emotionale Gewalt in der Beziehung, Untreue)
"Anthropozän" Unerwiderte Liebe in den Zeiten der Klimakrise führt Allison in eine Beziehung mit Myriam, der CEO der Klimaanlagenfirma bei der sie arbeitet. Diese Beziehung ist gekennzeichnet durch Abhängigkeiten und Machtgefälle und untersucht Privilegien und welche Form der Liebe wirklich ausreicht um glücklich zu sein. Ich mochte die Charaktere hier sehr, da sie alle einfach nur furchtbar waren. Besonders die verschiedenen emotionalen Verwirrungen mit der Frau in die Allison zuerst verliebt war, war sehr interessant. (tw: vergangene Vergewaltigung, dubioser consent in BDSM Szenen, Machtgefälle)
"Das Feature": In dieser Kurzgeschichte wird „Zuckerhase“ verfilmt (und zwar als ein typisch von cis Männern dirigierter fetischisierender lesbischer Horrorflick…). Wir folgen Myriam’s Hauptdarstellerin, eine Frau names „FF“, die in der Schauspielschule aufgrund ihres nichts-sagenden, ausdruckslosen Gesichts „face de foetus“ genannt wurde. Wenn sie aber auf der Bühne steht scheint es, als würde sie sich ganz in die Figur verwandeln. Aber ist es diesmal wirklich so gut, wenn Myriam zu Vorschein kommt? Eine Geschichte über das Filme-Machen und Mobbing und eine Frau, die keine Ruhe finden kann, da ihre Andersartigkeit sie immer wieder zu einer Außenseiterin macht. (tw: vergangene Vergewaltigung, Stalking, Gewalt, Gore)
Dieses Buch ist eine Kurzgeschichten Sammlung, in welcher auf acht verschiedene Weisen die Leben und die Liebe von zwei Frauen erforscht wird. Wir folgen Myriam und Allison durch verschiedene Beziehungsstrukturen, Lebensentwürfe und Genres. Auch wenn die Frauen in jeder Geschichte anders sind (von liebenden, wenn auch kriminellen, Müttern zu depressiven Kannibalen, aber auch als Hund und Gottesanbeterin sind verschiedene Ausführungen vertreten) so ist der Mittelpunkt der Geschichten doch immer ihre Beziehung zueinander, die guten und die schlechten Seiten. Manchmal sind sie glücklich, manchmal nicht, manchmal ist das Ton der Geschichte eher horror, manchmal surreal, manchmal gesellschaftskritisch, manchmal einfach nur traurig. Ich kann dieses Buch auf jeden Fall empfehlen an Menschen, die Horrorkurzgeschichten mögen, die gerne mehr über Lesben mit ProblemenTM lesen möchten (anstatt von cookie-cutter süßen Romanzen) und an Menschen, die sich für sehr intensive Charakter-Studien interessieren. Denn das ist der eigentliche Punkt dieser Kurzgeschichtensammlung. Die Frage: „Was wäre wenn…“ Wie würde das Leben von Allison und Myriam eben ausschauen, wenn sie ein Kind finden würden und es mitnehmen? Wie wenn sie eben ein Hund und eine Gottesanbeterin wären? Was würde sich ändern, was würde gleich bleiben und würde es ihre Beziehung eigentlich wirklich überstehen?
Das Schreibstil ist flüssig und gut zu lesen und die Charaktere, wie gesagt, das Fleisch und Blut der Anthologie und dadurch sehr gut ausgearbeitet. Auch wenn mir nicht alle Kurzgeschichten gefallen haben, sind doch einige dabei, die ich sehr mochte, allen voran „Der Sinn des Lebens“ „Zuckerhase“ und „Das Feature“. In dem zweiten Teil meines Reviews bespreche ich nun die verschiedenen Kurzgeschichten und wie sie mir gefallen haben & gebe kurze Content Warnungen falls notwendig. Dies ist nicht komplett spoiler-frei.
Die erste Geschichte "Der Sinn des Lebens" beginnt mit dem Finden eines Kindes das in der Gosse liegt und der Entscheidung es aufzuziehen und nimmt schnell eine dünklere Wendung als die Mutter des Kindes auftaucht und ihr Kind zurückverlangt. Nun ist die Frage bei drei Müttern: Wer kann hier die bessere sein? Ich habe die verschiedenen Wendungen der Geschichte nicht erwartet, fand mich aber sehr in die Geschichte hineingezogen und mochte sie sehr. (tw: Kindsentführung, häusliche Gewalt, Drogenmissbrauch.)
"Zuckerhase": So lieblich wie der Titel der Geschichte ist, so dunkel ist der eigentliche Inhalt. Wie weit würdest du gehen, wenn deine schwere Depression nur durch den Körper deines Partners geheilt werden kann? Dies ist eine meiner Lieblingsgeschichten in dem Buch, da mich sowohl die Idee als auch die Umsetzung faszinierte. Da ich Horror und queere Geschichten mit moralisch verwerflichen Charakter*Innen oftmals sehr genieße war dies genau die richtige Geschichte für mich. Immer wieder geschah etwas einerseits Unterwartes, aber andererseits machte es auch sehr viel Sinn und ich genoss es wirklich mich in diese Geschichte hineinfallen zu lassen. Auch das ständig mit der Geschichte einhergehende Grauen war sehr gut gemacht und ließ mich bis zur letzten Sekunde nicht aus. (tw: Kannibalismus, Kindsmissbrauch (nicht sexuell), schwere Körperverletzung, Mord, Depression)
"Gottesanbeterin" ist eine sehr kurze Geschichte und versetzt unsere Protagonistinnen in die Rolle von Haustieren. Ebenfalls sehr interessant, wenn auch sehr kurz. Trotzdem fand ich diese Geschichte einen sehr interessanten Aspekt der Charakterisierung von Allison und Myriam. (tw: Tod).
"So klappt es": In dieser Version laufen Allison und Myriam sprichwörtlich vor ihren Gefühlen davon, indem sie anstatt über ihre Beziehung zu sprechen lieber zu einem schweigenden Jogger Pärchen werden. Sehr melancholisch, aber interessant zu lesen.
"The Sequel": Hier haben unsere zwei Protagonistinnen ein Buch über erfolgreiche lesbische Liebensbeziehungen geschrieben und haben es damit zu ein bisschen Ruhm in der queeren Szene geschafft. Nun möchten sie auch bei der weniger radikalen konservativen lesbischen Szene Anschluss finden, indem sie heiraten und dies konstant publizieren. Die Beziehung selbst ist sehr brüchig, vor allem durch die mentale Erkrankung von Myriam (Paranoia/Schizophrenie), die Biphobie von Allison und die Ansprüche, die ihr Influencer Leben an die beiden Frauen richtet. Die Kurzgeschichte selbst war nicht so mein Ding und funktioniert auch nur als eine bissige Satire auf die lesbische Promiszene und war damit für mich, als eine Lesbe, die sich nicht für Promis interessiert, eher uninteressant. Auch wenn sicher einige Menschen, das ganze Name-Dropping der Amerikanischen lesbischen Promiszene interessant finden, war es für mich leider so gar nicht mein Ding. Auch bin ich mir nicht ganz sicher warum der konstante Refrain an Biphobie notwendig war. Da dies auch eine der längeren Geschichten war, finde ich es natürlich ziemlich schade, dass mich die Geschichte nicht interessiert hab, aber ich kann mir denken, dass sie für Menschen, die sich für lesbisches Beziehungsdrama der prominenten Art interessieren, diese Kurzgeschichte interessanter sein können. (Wenn dir Dykette von Jenny Fran Davis gefallen hat, zum Beispiel). (tw: Untreue, Ableismus, Krankheits-basiertes OCD, biphobe Stereotype und Aussagen, Fäkalien-Beschreibungen, Tod)
"Love in the Dark": In dieser Geschichte hat Allison ein Problem mit Wurausbrüchen und Myriam erneut ein Problem mit ihrer mentalen Gesundheit. Also geht Allison auf ein Retreat und lässt Myriam zurück, die damit sehr schlecht umgehen kann. Myriam wirft sich in die Kunstszene und lernt dort neue Menschen kennen. Interessante Beschreibungen von Kunst und dem zerstörerischen Einfluss von Eifersucht und emotional gewalttätigen Beziehungen. (tw: Drogen, Selbstverletzendes Verhalten, emotionale Gewalt in der Beziehung, Untreue)
"Anthropozän" Unerwiderte Liebe in den Zeiten der Klimakrise führt Allison in eine Beziehung mit Myriam, der CEO der Klimaanlagenfirma bei der sie arbeitet. Diese Beziehung ist gekennzeichnet durch Abhängigkeiten und Machtgefälle und untersucht Privilegien und welche Form der Liebe wirklich ausreicht um glücklich zu sein. Ich mochte die Charaktere hier sehr, da sie alle einfach nur furchtbar waren. Besonders die verschiedenen emotionalen Verwirrungen mit der Frau in die Allison zuerst verliebt war, war sehr interessant. (tw: vergangene Vergewaltigung, dubioser consent in BDSM Szenen, Machtgefälle)
"Das Feature": In dieser Kurzgeschichte wird „Zuckerhase“ verfilmt (und zwar als ein typisch von cis Männern dirigierter fetischisierender lesbischer Horrorflick…). Wir folgen Myriam’s Hauptdarstellerin, eine Frau names „FF“, die in der Schauspielschule aufgrund ihres nichts-sagenden, ausdruckslosen Gesichts „face de foetus“ genannt wurde. Wenn sie aber auf der Bühne steht scheint es, als würde sie sich ganz in die Figur verwandeln. Aber ist es diesmal wirklich so gut, wenn Myriam zu Vorschein kommt? Eine Geschichte über das Filme-Machen und Mobbing und eine Frau, die keine Ruhe finden kann, da ihre Andersartigkeit sie immer wieder zu einer Außenseiterin macht. (tw: vergangene Vergewaltigung, Stalking, Gewalt, Gore)