4.5
emotional reflective fast-paced
Plot or Character Driven: Character
Strong character development: Yes
Loveable characters: Yes
Flaws of characters a main focus: Yes

Ich bin wahrscheinlich eine der wenigen Personen, die dieses Buch gelesen haben (oder gehört in meinem Fall) und das Musikvideo bis kurz vor Beenden des Buchs nicht kannten. Ich weiß nicht, wie ich es finden würde, würde mir dieses Musikvideo viel bedeuten, weil ich nicht abschätzen kann, wie ich mir die Beziehung der beiden vorgestellt hätte, ohne das Buch dabei im Kopf zu haben. Persönlich finde ich, dass es wie eine sehr gute Umsetzung des Videos wirkt. 

Das Buch war schnell zu hören (unter 9h) und irgendwie hat es mich komplett eingesogen. Liegt z.T. wahrscheinlich daran, dass es im Sommer spielt und ich es im Sommer gehört habe, was die Stimmung einfach unterstreicht. Es ist jedoch kein locker leichtes Buch, im Gegenteil. Für leichtherzige Sommervibes sind andere Bücher besser geeignet. Es fühlt sich an wie eine authentische Zeitkapsel von 2006 und wie die vereinzelten queeren Geschichten, die vor so 10 Jahren oder so rausgekommen sind oder die als eigene Texte auf Fanfiction-Seiten veröffentlicht wurden. Ich denke, dieses Video wäre nicht so durch die Decke gegangen, wenn sich nicht so viele Menschen darin gesehen hätten und diese Menschen werden sich demensprechend auch in diesem Buch sehen. Gerade eben Personen, die in den 2000ern und frühen 2010ern als queere Personen aufgewachsen sind. 
Ich verstehe, wenn Leute sagen, die Beziehung der beiden sei problematisch, v.a. aufgrund von Sonyas Verhalten. Ich muss sagen, dass ich Sonya als gut geschrieben empfunden habe. Ihr Kampf mit sich selbst wirkt realistisch auf mich.
So zum Beispiel auch, dass sie sogar in ihrem privaten Tagebuch um den heißen Brei herumredet und oft nicht genau benennt, dass es um Homosexualität geht, ob nun ihre eigene oder die von anderen.
Dementsprechend ergibt für mich auch die Beziehungsentwicklung Sinn. Es geht zwar alles schnell und das Ende ist fast unangemessen happy, aber auch das wirkte auch mich wie eine Beziehung zwischen Jugendlichen, die genauso laufen kann - nur, weil gesunde Beziehungsentwicklungen eine gute Sache sind, heißt das nicht, das Jugendliche das auf die Kette bekommen (tun Erwachsene ja auch oft nicht). 
Im Zuge dessen glaube ich nicht, dass es dem Buch gut tut, wenn es als "Romance" verkauft wird, weil das nicht wirklich stimmt. Dafür liegt der Fokus meiner Meinung nach zu sehr auf Identitätsfindung und schon der Erzählung einer Beziehung, aber eben keiner, die besonders swoonworthy verläuft. Zu großen Teilen fühlt es sich eher authentisch als schön an, dieses Buch zu hören. Mir ist an einigen Stellen wirklich das Herz schwer geworden.

Coley habe ich sehr geliebt. Sie ist toll und erinnert mich total an Protagonistinnen, über die ich als Jugendliche gerne gelesen habe - Becca aus Lucian zum Beispiel, ich habe jetzt wirklich Lust auf einen Reread. 

Ich kann außerdem das Hörbuch echt empfehlen, die Sprecherin macht das richtig gut und ihre Stimme passt zu Coley, finde ich. Es kann sogar sein, dass ich das Buch auf diese Weise besser fand als wenn ich die Printversion gelesen hätte.

.. Ich werde dieses Review hier nun abschließen, weil ich das Gefühl habe, viel zu diesem Buch zu sagen zu haben, das aber nicht gut formulieren zu können. Es hat auf jeden Fall einen Special Place in meinem Herzen irgendwie. 
(Was mich allerdings tatsächlich etwas genervt hat, war, dass auch in der dt Übersetzung nie das Wort "Mädchen" verwendet wurde, sondern immer "Girl". Was im Zsmhang mit dem Song/Titel Sinn ergibt, aber es wirkte manchmal einfach, als wolle jemand gewollt cool klingen.)

Expand filter menu Content Warnings