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silberfederling 's review for:
Ready Player One
by Ernest Cline
Ich fang mal mit den positiven Aspekten an.
Ich mochte die 80er Referenzen, den Fokus auf die Entwicklungen der Computerspiel-Geschichte und das Konzept der OASIS. Nette Idee und die OASIS selbst ist nettes Worldbuilding.
Und ich finde die deutsche Übersetzung eigentlich ganz gut. Theoretisch lässt sich das Buch sehr flüssig lesen.
Aber irgendwie war es das auch schon.
Den größten Teil der Zeit hatte ich das Gefühl, dieses Buch ist wie ein Unfall, bei dem ich nicht wegschauen kann.
Zum einen ist da der Hauptcharakter, der einfach nur unsympatisch ist, bei dem ich nicht die Spur von Charakterentwicklung sehe und ungesunde Ansichten weitergibt.
Im ganzen Buch habe ich sehr das Gefühl, dass er Frauen - in dem Fall vor allem Art3mis - als Objekte sieht, die man besitzen kann. Und leider Erfolg hat. Art3mis ist es unangenehm, dass ihr Parzival so auf die Pelle rückt, sich von ihrem Avatar vereinnehmen lässt und am Ende sogar in ihre Privatsphäre eindringt. (Unter dem Vorwand sie zu schützen, aber einen "Joar, du bist in echt sogar hübscher"-Kommentar kann er sich da trotzdem nicht verkneifen. Was aber absolut angebracht wäre.) Und die Finale Message dieses Desasters ist 'jup, ist schon okay. Sie wird das am Ende auch ganz gut finden'. Großartig.
Zudem ist er immer klüger als der Rest. Und hat mehr gemacht als alle anderen. Ich bin mir fast sicher, dass es hinten und vorne nicht aufgeht, wenn man mal alles zusammenrechnet, was er angeblich gespielt und gesehen hat, wie viel er recherchiert hat und wie viel davon er wirklich noch weiß. Und dass er überall auch noch exakte Angaben machen kann, wirkt einfach nur wie angeben. Niemand weiß bei jedem einzelnen Film/Spiel wie oft genau er das gesehen oder gespielt hat. Und kann deshalb Dialoge detailgetreu rezitieren ...
Wenn er mal failt, dann offensichtlich zum Zweck ihn irgendwie doch sympathisch oder nachvollziehbar zu machen. (Oder um die Botschaft des Autors zu transportieren, darauf werde ich später noch zurückkommen.) Was mir selten so unangenehm aufgefallen ist, wie hier. Weil, wie bereits erwähnt, es irgendwie fehlt, dass er sich dadurch weiterentwickelt. Sein inneres Narrativ bleibt so wie zuvor. Seine Ansichten ändern sich gar nicht. Und wenn er gekonnt hätte, wäre er weiterhin im Alleingang durch die Missionen marschiert. Was ihn davon abhält sind zum einen, dass man das letzte Tor nur zu dritt öffnen kann, und er es zu sehr genießt positive Aufmerksamkeit von anderen zu bekommen.
Hier lässt sich auch einbringen, wie lange breitgetreten wird, wie unangenehm er sich den anderen Top-5 gegenüber verhält. Bzw. vor allem seinem "besten Freund" Aech gegenüber. Die Entschuldigung wird in einem Absatz abgehandelt und danach ist natürlich alles wie zuvor. Bis er dann im letzten Moment einen Anfall von Großmut bekommt, weil ... ja, keine Ahnung. Kam etwas aus dem nichts, obwohl man alles aus der Sicht des Hauptcharakters mitbekommt, inklusive Gedanken.
Naja, kurz gesagt: Der Autor ist grandios gescheitert, einen zumindest nachvollziehbaren Hauptcharakter zu schaffen. Ne, man muss den nicht mögen, um ein gutes Buch zu haben, wäre aber schon schön, wenn man sich zumindest nicht konstant über ihn aufregt.
Da kommen wir schon zum nächsten Punkt, den ich in dem Buch beim Lesen als Äußerst unangenehm und auch nicht realistisch aufgebaut empfand.
Ja, das Verhältnis der Menschen zur Oasis ist etwas ungesund, auch dadurch bedingt, dass das RL in der Zeit unschön ist. Aber ich finde das Fazit aus dem Buch, dass die Realität zwingend besser ist und man sich darauf konzentrieren muss, nicht unbedingt besser. Im ganzen Buch liegt der Fokus auf "oh, die OASIS ist so super geil", mit einer Prise "aber eigentlich sind das ja nur falsche Erfahrungen und ich muss mich deshalb schlecht fühlen". Sie wird als Teil außerhalb der Realität dargestellt, was ich einfach merkwürdig finde. Sie ist Teil der Realität und Erfahrungen, die man dort macht sind echt. Aber anders als die in einem nicht Computerspielbasierten Umfeld. Und sie sind nicht automatisch schlechter als nicht computerspielbasierte Erfahrungen. Als eben solche sollte die Oasis behandelt werden. Stattdessen haben wir eine virtual reality, die von jemanden gebaut wurde, der noch in den 80ern festhängt, nicht daran glaubt und anscheinend sein eigenes Werk nicht mag, weil sie ja die Wirklichkeit verdeckt. Statt eine vernünftige Symbiose zu fördern, wird verteufelt. Weil alle Realitätsflucht immer schlecht ist. (Spoiler: Lesen, Sport, Spiel sind genauso Realitätsflucht wie das Computerspiel, virtuelle Realität oder das Internet allgemein. Alles hat eigene Vor- und Nachteile, ist aber wirklich nicht per se schlecht und weniger wichtig, weniger echt, weniger zum Finden des wahren Glücks geeignet. Nichts davon sollte alleine als wahres Glück betrachtet werden, oder hyperrelevant, aber Arbeit, Beruf, Beziehungen zu anderen Menschen halt auch nicht.)
Der Umgang mit diesem Thema hinterlässt einen fahlen Beigeschmack. Immerhin wird offen gelassen, wie es mit der OASIS und der Realität weitergehen soll.
Im Endeffekt soll sich ruhig jeder beim Lesen selber ein Bild machen, ist vermutlich besser so, da es auch ein paar Dinge gab, die ich extrem unangenehm dargestellt fand, aber nicht klar benennen kann. Aber sie betreffen vor allem die Interaktion von Wade mit anderen Charakteren.
Ich mochte die 80er Referenzen, den Fokus auf die Entwicklungen der Computerspiel-Geschichte und das Konzept der OASIS. Nette Idee und die OASIS selbst ist nettes Worldbuilding.
Und ich finde die deutsche Übersetzung eigentlich ganz gut. Theoretisch lässt sich das Buch sehr flüssig lesen.
Aber irgendwie war es das auch schon.
Den größten Teil der Zeit hatte ich das Gefühl, dieses Buch ist wie ein Unfall, bei dem ich nicht wegschauen kann.
Zum einen ist da der Hauptcharakter, der einfach nur unsympatisch ist, bei dem ich nicht die Spur von Charakterentwicklung sehe und ungesunde Ansichten weitergibt.
Im ganzen Buch habe ich sehr das Gefühl, dass er Frauen - in dem Fall vor allem Art3mis - als Objekte sieht, die man besitzen kann. Und leider Erfolg hat. Art3mis ist es unangenehm, dass ihr Parzival so auf die Pelle rückt, sich von ihrem Avatar vereinnehmen lässt und am Ende sogar in ihre Privatsphäre eindringt. (Unter dem Vorwand sie zu schützen, aber einen "Joar, du bist in echt sogar hübscher"-Kommentar kann er sich da trotzdem nicht verkneifen. Was aber absolut angebracht wäre.) Und die Finale Message dieses Desasters ist 'jup, ist schon okay. Sie wird das am Ende auch ganz gut finden'. Großartig.
Zudem ist er immer klüger als der Rest. Und hat mehr gemacht als alle anderen. Ich bin mir fast sicher, dass es hinten und vorne nicht aufgeht, wenn man mal alles zusammenrechnet, was er angeblich gespielt und gesehen hat, wie viel er recherchiert hat und wie viel davon er wirklich noch weiß. Und dass er überall auch noch exakte Angaben machen kann, wirkt einfach nur wie angeben. Niemand weiß bei jedem einzelnen Film/Spiel wie oft genau er das gesehen oder gespielt hat. Und kann deshalb Dialoge detailgetreu rezitieren ...
Wenn er mal failt, dann offensichtlich zum Zweck ihn irgendwie doch sympathisch oder nachvollziehbar zu machen. (Oder um die Botschaft des Autors zu transportieren, darauf werde ich später noch zurückkommen.) Was mir selten so unangenehm aufgefallen ist, wie hier. Weil, wie bereits erwähnt, es irgendwie fehlt, dass er sich dadurch weiterentwickelt. Sein inneres Narrativ bleibt so wie zuvor. Seine Ansichten ändern sich gar nicht. Und wenn er gekonnt hätte, wäre er weiterhin im Alleingang durch die Missionen marschiert. Was ihn davon abhält sind zum einen, dass man das letzte Tor nur zu dritt öffnen kann, und er es zu sehr genießt positive Aufmerksamkeit von anderen zu bekommen.
Hier lässt sich auch einbringen, wie lange breitgetreten wird, wie unangenehm er sich den anderen Top-5 gegenüber verhält. Bzw. vor allem seinem "besten Freund" Aech gegenüber. Die Entschuldigung wird in einem Absatz abgehandelt und danach ist natürlich alles wie zuvor. Bis er dann im letzten Moment einen Anfall von Großmut bekommt, weil ... ja, keine Ahnung. Kam etwas aus dem nichts, obwohl man alles aus der Sicht des Hauptcharakters mitbekommt, inklusive Gedanken.
Naja, kurz gesagt: Der Autor ist grandios gescheitert, einen zumindest nachvollziehbaren Hauptcharakter zu schaffen. Ne, man muss den nicht mögen, um ein gutes Buch zu haben, wäre aber schon schön, wenn man sich zumindest nicht konstant über ihn aufregt.
Da kommen wir schon zum nächsten Punkt, den ich in dem Buch beim Lesen als Äußerst unangenehm und auch nicht realistisch aufgebaut empfand.
Ja, das Verhältnis der Menschen zur Oasis ist etwas ungesund, auch dadurch bedingt, dass das RL in der Zeit unschön ist. Aber ich finde das Fazit aus dem Buch, dass die Realität zwingend besser ist und man sich darauf konzentrieren muss, nicht unbedingt besser. Im ganzen Buch liegt der Fokus auf "oh, die OASIS ist so super geil", mit einer Prise "aber eigentlich sind das ja nur falsche Erfahrungen und ich muss mich deshalb schlecht fühlen". Sie wird als Teil außerhalb der Realität dargestellt, was ich einfach merkwürdig finde. Sie ist Teil der Realität und Erfahrungen, die man dort macht sind echt. Aber anders als die in einem nicht Computerspielbasierten Umfeld. Und sie sind nicht automatisch schlechter als nicht computerspielbasierte Erfahrungen. Als eben solche sollte die Oasis behandelt werden. Stattdessen haben wir eine virtual reality, die von jemanden gebaut wurde, der noch in den 80ern festhängt, nicht daran glaubt und anscheinend sein eigenes Werk nicht mag, weil sie ja die Wirklichkeit verdeckt. Statt eine vernünftige Symbiose zu fördern, wird verteufelt. Weil alle Realitätsflucht immer schlecht ist. (Spoiler: Lesen, Sport, Spiel sind genauso Realitätsflucht wie das Computerspiel, virtuelle Realität oder das Internet allgemein. Alles hat eigene Vor- und Nachteile, ist aber wirklich nicht per se schlecht und weniger wichtig, weniger echt, weniger zum Finden des wahren Glücks geeignet. Nichts davon sollte alleine als wahres Glück betrachtet werden, oder hyperrelevant, aber Arbeit, Beruf, Beziehungen zu anderen Menschen halt auch nicht.)
Der Umgang mit diesem Thema hinterlässt einen fahlen Beigeschmack. Immerhin wird offen gelassen, wie es mit der OASIS und der Realität weitergehen soll.
Im Endeffekt soll sich ruhig jeder beim Lesen selber ein Bild machen, ist vermutlich besser so, da es auch ein paar Dinge gab, die ich extrem unangenehm dargestellt fand, aber nicht klar benennen kann. Aber sie betreffen vor allem die Interaktion von Wade mit anderen Charakteren.