2.5
adventurous hopeful informative fast-paced

Ich hab nen Mix aus Hörbuch hören und Buch lesen/durchblättern gemacht, was eine gute Wahl war, glaube ich. Der Sprecher war gut, ich kann mir vorstellen, dass ich es sonst schwerer mit diesem Buch gehabt hätte. Unter anderem, weil man merkt, dass der Autor sonst nicht so der Schreiberling war bis dato. 
Seine Geschichten sind auf jeden Fall interessant und spannend, der hat wirklich viel erlebt und viel Zuversicht und Optimismus im Gepäck, das fand ich schön. Ich denke auch, dass das ein  sympathischer Typ ist, wenn man ihm begegnet - allerdings gab es echt den ein oder anderen Spruch, bei dem ich mir dachte "idk man, musste wirklich nicht sein". Und ich hoffe, dass er die heute lassen würde, würde er das Buch nochmal schreiben. Z.B. hat er sich auf eine Weise gekleidet, mit der in Pakistan (ich glaube, es war Pakistan .. oder im Iran, ich bin mir gerade nicht mehr sicher) nicht so schnell auffällt. Jemand hat ihn angesprochen und gemeint, er sähe aus wie ein religiöser Extremist. Christopher kommentiert dies im Buch zum Einen damit, dies sei ja sein Ziel gewesen und zum Anderen damit, jetzt habe er schon etwas für Fasching, wenn er zurück sei. Idk. Oder als er die Aussage eines Reisegefährten inkludiert hat, der meinte, mit den Frauen "hier" (habe vergessen, wo das war) hätte er niemanls Kinder zeugen können, bei den verfaulten Zähnen, die die Frauen dort hätten, wäre bei ihm nichts gegangen. Ich weiß nicht, ob das Inkludieren dieses Satzes ein Witz sein sollte, allerdings finde ich, es gibt keinen guten Grund dafür, einen so abwertenden Satz einzubauen, wenn man ihn genauso gut weglassen könnte. Etwas fragwürdige Sätze wie diese gab es einfach häufiger. Oder auch Aussagen wie die, dass er es schade fand, dass die Menschen an einem Ort (wieder Ort vergessen, ich glaube Französisch-Polynesien) traditionelle Kleidung eher zu rituellen Zwecken tragen stattimmer und damit nicht so "rückständig" seien,wie er das erwartet hatte? ... Ich weiß ja nicht.
Ebenso hatte ich das Gefühl, er überträgt seine eigenen Möglichkeiten etwas zu unreflektiert auf andere Leute. (Wortlaut ungefähr: "Ich denke, es würde jedem guttun, einfach mal eine Zeit zu reisen".) Im Sinne von: Dieser Dude ist zwar mit nur 50 Euro aufgebrochen, allerdings auch mit recht guter Ausrüstung (Zelt, Kleidung, Hängematte etc.) und als ein Mensch, der an den meisten Orten der Welt hohe Privilegien genießt. In seinen Reisetipps am Ende gibt es einige Tipps, die sich explizit an weiblich gelesene Menschen richten, in denen sich zeigt, dass er zumindest ein bisschen bemerkt, dass nicht alle Menschen seine Ausgangssituation haben. Sie beziehen sich aufs Schlafen draußen und aufs Trampen, zwei Dinge, die für seine Reise, so wie sie gelaufen ist, ziemlich wichtig waren und so für viele einfach nicht umsetzbar oder nur unter erhöhter Gefahr umsetzbar sind. Ebenso wären allerdings Couchsurfing, generell das Betreten der Wohnungen anderer Personen, sowie wochenlanges Segeln mit fremden Personen abgeschieden auf dem Ozean z.B. für Frauen wesentlich gefährlicher als für ihn. (Und das hinterfragt nur eines der Privilegien, die er so hat. ... Man könnte genauso gut bei Weiß und nicht-behindert ansetzen zum Beispiel.) 
Natürlich spricht ihm das seine Erfahrungen nicht ab, die zweifellos cool sind und ich freue mich für ihn, dass er all das erleben konnte und ihn das so erfüllt hat. Teilweise hatte ich auch wirklich Spaß, sie mit ihm zu erleben. Ich denke auch nicht, dass ihm in den Sinn kam, seine Reise kritischer zu hinterfragen in diesem Buch, which is fine. Er kann seinen Reisebericht so schreiben, wie er das möchte und sicherlich ist viel positives Lebensgefühl und vielleicht auch Inspiration darin zu finden für viele Leute. Allerdings kann ich mir auch vorstellen, dass es anstrengend und frustrierend sein kann, dieses Buch zu lesen als eine Person, für die der Weg, den er da gegangen ist, ungefähr 500-fach schwieriger bis schlichtweg unmöglich gewesen wäre. Zumal ein bisschen dieses "ach, das könnte ja jede*r so machen wie ich" mitschwingt. - Bei mir hielt sich dieses Gefühl zwar in Grenzen, aber ich verstehe jede Person, der es da anders geht.