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3.0

Eine gute Einführung zu deutschem trans* discurs und nichtbinäre Identität. Gut als Einsteigewerk für Allies von trans* und nichbinären Menschen und die, die es werden wollen. Auch zeigt das Buch gut auf auf welche Arten und Weisen cis Menschen ebenfalls von dem binären und sexistischen Geschlechtersystem verletzt und eingeengt werden. Ein Teil des Buches begutachtet auch welche Kräfte in Medien und anderswo gegen trans* Rechte kämpfen und welche konservativen Zusammenschlüsse sich dabei oftmals bilden. Ebenso behandelt das Buch Möglichkeiten, wie wir die Sprache anpassen könnten und mehr Menschen einzuschließen und wiederlegt warum der ganze Anti-Gender-Wahn von Konservativen nicht "wertfrei" und "normal" ist, sondern ebenso von der Politik der jeweiligen Leute beeinflusst wird.
Für mich als betroffene Person, die selbst nichbinär ist, war aber leider nicht wirklich neues oder besonders Interessantes in dem Buch dabei. Es ist natürlich auch teilweise nett ein Buch zu lesen, das viel bestätigt und zusammenfasst, was man von anderen trans* Aktivisten und Theoristen ohnehin schon kennt, aber ich würde daher Menschen, die sich mit dem Thema schon auskennen, ein bisschen einbremsen, damit ihr euch nicht wie ich zuviel erwartet. Auch ist das Buch weniger Zukunfts-fokussiert als ich gehofft hatte und begutachtet eher die Momentanzustände in Deutschland in Zeiten vor dem Selbstbestimmungsgesetz. Das kann natürlich auch sehr gut und interessant sein, war aber nicht was ich mir bei dem Klappentext erwartet habe und da ich mich ebenfalls schon mit dem Diskurs befasst habe und die verschiedenen Spielfiguren der deutschen Anti-Trans* Szene kenne, war es leider auch nicht sonderlich interessant. Das direkte Erwähnen von gewissen Personen wird auch dazu führen, dass das Buch relativ schnell auf eine gewisse Zeit (die frühen 2020er) festzumachen ist, wodurch ich mit dem Buch eben nicht wirklich in die Zukunft schauen konnte, sondern im Hier und Jetzt geblieben bin.
Ich fand besonders das letzte Kapitel interessant und hätte mir gewünscht mehr über diese nichtbinäre Zukunft zu erfahren, da ich die Ideen und Hoffnungen, die hier nur angeschnitten werden, selbst sehr interessant und wichtig finde. Utopien sind wichtig, den durch sie können wir eine bessere Zukunft träumen, und dabei ist das Buch ein bisschen zu kurz gegangen für mich. Trotzdem war es sehr schön zumindest einmal einen Schritt in die Richtung zu machen.
Alles in allem wahrscheinlich ein interessantes Buch für Menschen, die entweder bisher wenige Berührungspunkte mit nichtbinärer Identität hatten oder gerne ein bisschen mehr über den momentanen politischen deutschen Diskurs zu trans* Menschen erfahren möchten.