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Overview
Der Preis der Leipziger Buchmesse ist ein Literaturpreis, der seit 2005 im Rahmen der Leipziger Buchmesse von der Leipziger Messe mit Unterstützung der Stadt Leipzig und des Freistaates Sachsen und in Zusammenarbeit mit dem Literarischen Colloquium Berlin verliehen wird.
Der Preis ehrt Neuerscheinungen des letzten Einjahres-Zeitraums vor der jeweiligen Messe.
Hier geht es zu den Nominierungen für Belletristik in 2024.
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Leipziger Buchmessepreis 2024
3 participants (5 books)
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Der Preis der Leipziger Buchmesse ist ein Literaturpreis, der seit 2005 im Rahmen der Leipziger Buchmesse von der Leipziger Messe mit Unterstützung der Stadt Leipzig und des Freistaates Sachsen und in Zusammenarbeit mit dem Literarischen Colloquium Berlin verliehen wird.
Der Preis ehrt Neuerscheinungen des letzten Einjahres-Zeitraums vor der jeweiligen Messe.
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Challenge Books
1
Genossin Kuckuck
Anke Feuchtenberger
1. Anke Feuchtenberger: Genossin Kuckuck
Über das Buch
Über das Buch
Anke Feuchtenberger weiß, Traum und Wirklichkeit in bildstarke Motive zu überführen. In der grausam-schönen Bilderzählung „Genossin Kuckuck“, an der sie mehr als 10 Jahre arbeitete, erzählt sie von der fantastischen Reise Kerstins, die mit ihrer Vergangenheit im fiktiven Dorf Pritschitanow konfrontiert wird, nachdem sie die Beerdigung ihrer Großmutter verpasst hat. Die Handlung spannt sich von den 1960ern bis in die 1990er Jahre, als in der DDR das Volkseigentum privatisiert wurde. Verankert in realen Begebenheiten spannt „Genossin Kuckuck“ den Bogen vom Politischen ins Private und verweist dabei nicht nur auf den Wandel in Deutschland, sondern greift dabei auch hochaktuelle Themen auf.
Zur Begründung der Jury
Anke Feuchtenbergers magisch-düstere Bilder erzählen nicht nur eine komplexe Kindheit und Jugend im deutschen Osten, sondern öffnen immer wieder fantastische Tiefenräume, auch ins kollektive Unbewusste. Im Zusammenspiel mit den poetischen Zwischentexten entwerfen sie eine eigene Mythologie, in der Mädchen, Tiere und Pilze die Realität des real existierenden Sozialismus transzendieren. Ein Comic, der dem autofiktionalen Genre eine derartige Ästhetik abgewinnt – das ist ein Novum in der deutschsprachigen Literatur.
Über die Autorin
Anke Feuchtenberger, geboren 1963 in Ost-Berlin, ist Comiczeichnerin und Illustratorin. Sie unterrichtet als Professorin an der Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg Zeichnen und Grafische Erzählung. Gemeinsam mit der Schriftstellerin Katrin de Vries entwickelte Anke Feuchtenberger mehrere Erzählungen, u. a. die Trilogie »Die Hure H« (1996), »Die Hure H zieht ihre Bahnen« (2003) und »Die Hure H wirft den Handschuh« (2007, alle bei Reprodukt). Ihre Comics wurden in die französische, englische, italienische und chinesische Sprache übersetzt. Anke Feuchtenberger wurde mehrfach ausgezeichnet, u. a. war sie Finalistin für den Comicbuchpreis für »Ein deutsches Tier im deutschen Wald« 2020 und wurde 2023 mit der Biermann-Ratjen-Medaille für ihre herausragende Leistung als Comiczeichnerin und Lehrende für ihre Kunstform ausgezeichnet.
2
Eigentum
Wolf Haas
2. Wolf Haas: Eigentum
Über das Buch
Wolf Haas‘ „Eigentum“ ist ein einfühlsamer Rückblick auf das Leben der eigenen Mutter, die mit fast 95 Jahren im Sterben liegt. Liebevoll und mit lakonischem Humor zeichnet der Autor das Porträt einer Frau, deren Leben als Tochter eines Wagnermeisters von Hunger und Not bestimmt war. Nun, in ihren letzten Tagen zeugt Marianne von einer inneren Unabhängigkeit, die Wolf Haas dazu bringt, ihren Lebensweg aufzuschreiben und darzulegen, was Eigentum bedeutet, wenn man es nicht hat. Dabei dokumentiert er pointiert und mit liebevoll grimmigem Witz die bäuerlich geprägte Gegend, wo der Grundbesitz eine zentrale Rolle einnimmt.
Zur Begründung der Jury
Die depperte Frage „Kann man vom Schreiben leben?“ kontert der Ich-Erzähler mit „Kann man vom Leben schreiben?“. Wolf Haas kann es. Im Mittelpunkt seines Romans: ein Mann und seine sterbende Mutter; eine Frau, die überall aneckt. Haas erzählt ihr Leben als erbitterte Aufstiegsmühsal und lässt sie dabei in ihrer eigenen Diktion zu Wort kommen. Daraus ergibt sich eine hintersinnige Poetikvorlesung und ein subtil gesellschaftskritisches, tolldreistes Abschiedsbuch.
Über den Autor
Wolf Haas, geboren 1960 in Maria Alm am Steinernen Meer, studierte Psychologie, Germanistik und Linguistik und arbeitete als Universitätslektor und Werbetexter, bevor er sich dem literarischen Schreiben zuwandte. Für sein Werk erhielt er u. a. den Bremer Literaturpreis, den Wilhelm-Raabe-Preis und den Jonathan-Swift-Preis. Er veröffentlichte die Romane »Das Wetter vor 15 Jahren« (2006), »Verteidigung der Missionarsstellung« (2012) und »Junger Mann« (2017, alle bei Hoffmann und Campe) sowie neun Brenner-Krimis, zuletzt »Müll« (Hoffmann und Campe, 2022), von denen drei den deutschen Krimipreis gewannen. Er lebt in Wien.
3
Auf den Gleisen
Inga Machel
3. Inga Machel: Auf den Gleisen
Über das Buch
Als Mario Mitte zwanzig ist, nimmt sich sein Vater das Leben. Wenig mehr als ein einzelner Winterstiefel und ein Fotoalbum bleiben dem jungen Mann, der jetzt selbst ums Überleben kämpft. Er zieht aus der brandenburgischen Provinz nach Berlin, wo er, immer nah am Abgrund, sein neues Zuhause findet. Als er in einem heroinabhängigen Mann seinen Vater zu erkennen meint, heftet er sich an dessen Fersen und beginnt nach und nach seine eigene Vergangenheit zu verarbeiten. Inga Machels Debüt „Auf den Gleisen“ erzählt voller Feingefühl von dem tiefen Verlangen nach Nähe und Beziehung, vom Scheitern, von Schmerz, Wut und Trauer und von der Suche nach einem Weg ins Leben.
Zur Begründung der Jury
Inga Machels Roman »Auf den Gleisen« erzählt ungewöhnlich intensiv von Vater- und Selbstverlust, von Trauer und Rausch, von Auslöschungs- und Einschreibungsversuchen. Gefühlszustände zeigt Machel, ohne sie zu benennen, gesellschaftliche Rollen bringt sie in die Schwebe. Die raue Sprache kontrastiert mit fast pathetischen Tonregistern. Zugleich lässt sich dieser fragmentarisch und mehrspurig erzählte Roman als abstraktes Kunstwerk lesen, das Sichtbarkeit und Unsichtbarkeit reflektiert.
Über die Autorin
Inga Machel, geboren 1986, studierte Kreatives Schreiben und Kulturjournalismus an der Universität Hildesheim. Sie war freiberuflich als Rundfunkautorin und Lektorin tätig und ist außerdem Heilpraktikerin für Psychotherapie. Ihre Erzählung »Lieber A.« (2016) wurde mit dem New German Fiction Prize ausgezeichnet und erschien bei Matthes & Seitz als E-Book sowie als »Dear A.« in der Übersetzung von Donal McLaughlin bei Readux Books. Auf Tegel Media veröffentlichte sie die Story »Being with Paul« (2018). »Auf den Gleisen« ist ihr erster Roman.
4
Minihorror
Barbi Marković
4. Barbi Marković: Minihorror
Über das Buch
Mit dem Paar Mini und Miki tauchen wir ein in den alltäglichen Horror des städtischen Lebens. Die beiden sind nicht von hier, bemühen sich dazuzugehören und alles richtig zu machen. Trotzdem – oder gerade deswegen – werden sie verfolgt von Gefahren und Monstern, von Katastrophen und allerlei Schwierigkeiten… Tragikomisch und abgründig sind die Geschichten, die die beiden erleben. Barbi Markovićs Prosa besticht durch ihren ironischen Unterton, der nicht nur hinter die Fassaden blicken lässt, sondern auch die Zerbrechlichkeit ihrer Figuren entlarvt. Das sorgt für reichlich wahnwitzige Überraschungsmomente, in denen die sogenannte Wirklichkeit häufig ins surreal Phantastische kippt.
Zur Begründung der Jury
Barbi Marković erzählt stilsicher und mit bewussten Stilbrüchen einen Comic in Prosa. Der Horror der 26 Geschichten um das Paar Mini und Miki lauert im Alltag. Es geht um Missgeschicke, Beleidigungen, Verwandtschaftsfehden, Möbelkäufe und Ungeziefer – komisch, vertraut und unheimlich. Ironie verschärft sich hier zu Satire, Humor dreht sich in Sarkasmus und die Perspektive macht kleine Wesen groß. Der vergessene Krieg der 90er-Jahre mitten in Europa und seine Folgen bilden den dunklen Untergrund.
Über die Autorin
Barbi Marković, geboren 1980 in Belgrad, studierte Germanistik und arbeitete zunächst als Lektorin. 2009 erhielt Marković viel Beachtung für »Ausgehen« (Suhrkamp), eine Übertragung der Thomas-Bernhard-Erzählung »Gehen« in die Belgrader Clubszene. 2011/2012 war sie Stadtschreiberin von Graz. 2016 erschien der Roman »Superheldinnen« beim Residenz Verlag, für den sie den Literaturpreis Alpha, den Förderpreis des Adelbert-von-Chamisso-Preises sowie 2019 den Priessnitz-Preis erhielt. 2017 las Barbi Marković beim Bachmann-Preis. Es folgten zahlreiche Kurzgeschichten, Theaterstücke und Hörspiele. 2023 erhielt Barbi Marković den Kunstpreis Berlin für Literatur.
5
Gewässer im Ziplock
Dana Vowinckel
5. Dana Vowinckel: Gewässer im Ziplock
Über das Buch
Ein Sommer voller Konflikte, der Margarita zwischen Berlin, Chicago und Jerusalem hin und her reißt. Als fünfzehnjährige Schülerin bei ihren Großeltern in den USA sehnt sie sich nach Deutschland, zu ihren Freunden und ihrem Vater Avi, der in einer Synagoge die Gebete leitet. Doch der Familienrat verkündet, dass es höchste Zeit sei, ihre Mutter in Israel wieder zu treffen, die sie seit den Kindertagen nicht mehr gesehen hat. Die gemeinsame Reise durch das Heilige Land rührt an alte und neue Wunden und führt zu tiefgreifenden Zerwürfnissen. Zurück in Chicago, mit ihren Eltern um das Krankenbett ihrer Großmutter versammelt, steht Margarita eine folgenschwere Entscheidung bevor, die ihr Leben für immer verändern könnte.
Zur Begründung der Jury
Eine jüdische Familiengeschichte von heute zwischen Chicago, Berlin und Jerusalem: Dana Vowinckel erzählt von Lust und Strapazen der Pubertät, vom Alltag und den Konflikten eines religiösen alleinerziehenden Vaters sowie einer liberalen Intellektuellen, deren Muttersein nicht in gewöhnliche Bilder passt. Emotional und zugleich klar erzählt, gewinnt der Roman seine Spannung durch die Konsequenz der Erzählperspektiven und lässt die Verschiedenheit von Weltsichten auch im intimsten Kreis zu.
Über die Autorin
Dana Vowinckel, 1996 in Berlin geboren, studierte Linguistik und Literaturwissenschaft in Berlin, Toulouse und Cambridge. Für ihre Erzählung »In my Jewish Bag« (2022) erhielt sie beim Wettbewerb »L’Chaim: Schreib zum jüdischen Leben in Deutschland!« den ersten Preis. Beim Ingeborg-Bachmann-Wettbewerb 2021 wurde sie für einen Auszug aus »Gewässer im Ziplock« mit dem Deutschlandfunk-Preis ausgezeichnet. Der Roman wurde 2023 mit dem Mara-Cassens-Preis ausgezeichnet und war auf der Shortlist für den aspekte-Literaturpreis des ZDF 2023. Im selben Jahr wurde ihr auch ein Arbeitsstipendium des Berliner Senats zugesprochen.